Samstag, 5. Juli 2014

Das Untendrunter für's Hochzeitgästinkleid... und: Wie viel Nähgarn braucht man für ein Kleid?

Leichter dünner Stoff hat einen Nachteil: er ist, je nach Lichteinfall, leicht druchsichtig. Daher braucht mein Hochzeitsgästinkleid ganz dringend noch ein Unterkleid. Gleich vorneweg: ich finde dieses Kleidungsstück verdammt unnötig... ich hätte ehrlich gesagt lieber gleich mein Kleid unterfüttern sollen, hätte ja nicht komplett sein müssen, nur das Vorderteil und den Rockteil mit einem ähnlichen Stoff (Baumwollbatist) oder sogar dem selben Stoff. Zwei Kleider übereinander sind mir im Sommer irgendwie zu viel. Nun ja, jetzt ist es halt so geworden und ich muss schon sagen, schick ist so ein Unterkleid auf jeden Fall:


Der Stoff ist wirklich traumhaft, es handelt sich um weichfließenden Viskose-Webstoff (Viskosebatist??), dünn, zart, kühlend aber auch rutschig ohne Ende. Es war schon eine Herausforderung ihn zu nähen.


Leider hat auch dieser Stoff genau Viskosejersey die Eigenschaft auszuleihern. Beim fertigen Kleid hatte ich nämlich zunächst abstehende Ränder unter den Armen... Und hey, ich habe mein Probemodell wirklich sorgfältig angepasst! Nach einem Waschgang saß aber alles wieder wie es soll.


Leider ist auch die hintere Rocknaht etwas verzogen, da ich den Stoff zum Trocknen über die Tür gehängt hatte und die Ecke der Tür den Stoff verzogen hat... Das bekommt man leider auch nicht mehr durch Bügeln raus, das macht es eher noch schlimmer. Das nächste mal werde ich beim Trocknen mehr darauf Acht geben.


Den Oberen Rand habe ich mit Baumwoll-Spitze verziert. Diese habe ich als Träger weiter laufen lassen, hinter der Schulter schließen dann die verstellbaren Träger an.


Für das ganze Kleid bin ich 3mal zum Stoffladen geradelt. Beim ersten Mal kaufte ich denn Stoff und das Nähgarn und weil ich dachte, ach von so einer 100m Garnrolle hast du immer so viel übrig, kaufte ich eine 50m Garnrolle. Außerdem habe ich mir die Spitze zwar angeschaut, aber dann doch nicht gekauft. Erst auf dem Heimweg kam mir die Idee die Spitze am Ausschnitt als Träger weiter laufen zu lassen, also bin ich am nächsten Tag noch mal hin. Tja, und was soll ich sagen? 50m Garn reichen natürlich nicht für ein Kleid! Zumindest nicht, wenn man alles in französischen Nähten macht! Für die Spitze und den Saum hat es dann nicht mehr gereicht und ich musst ein drittes mal los.

Apropos französische Nähte, hier die Innenansicht des Kleides:


Könnte man fast auch sorum tragen oder^^ Ich liebe französische Nähte, sie sehen so sauber aus. Außerdem habe ich das Oberteil gedoppelt und verstürtzt, so sieht man an dem ganzen Kleid keine einzige Nahtzugabe!


Ich habe das kostenlose Schnittmuster Ruby Slip von Pattern Scissors Cloth verwendet. Dazu gab es auch einen Sew-Along wobei auch das Thema Full Bust Adjustment behandelt wurde. Mir war nämlich gleich auf den ersten Blick klar, dass das Oberteil definitiv zu klein für mich werden würde. In der Anleitung steht was von "B-Cup" aber was genau das bedeutet ist mir nicht klar. Inzwischen weiß ich ja, dass der Buchstabe allein nix über die Größe der Brust aussagt, erst in Verbindung mit dem Unterbrustumfang wird ein Schuh - äh - BH draus. Also mein Buchstabe ist D-E, demnach hätte ich mein Oberteil um 2-3 Größen anpassen müssen und das kam mir dann doch utopisch vor. Ich dachte mir, hier wird bestimmt von 75B ausgegangen und wenn ich einen BH mit Unterbrustband von 75 tragen würde wäre der "Cup" irgendwo zwischen C und D je nach Modell. Ich habe mein Oberteil nach dieser Anleitung um 1,5 Größen vergrößert und das Ergebnis war - naja - interessant. Ich werf jetzt einfach mal das Wort "Spritztütchen" in den Raum.
Bei "By Hand" fand ich eine Anleitung zu einem FBA für ein Kleid mit Wiener Nähten und da das Oberteil des Ruby-Slip-Kleids ja irgendwie auch so was ähnliches wie Wiener Nähte hat, dachte ich, das könnte funktionieren. Meine Schnitteile sahen dann so aus:


Und wie man sieht hat es funktioniert! Als Maß um wie viel ich vergrößern muss habe ich die Empfehlungen für das Ruby-Slip-Kleid genommen. Damit die mittleren Vorderteile etwas mehr bedecken, habe ich hier die Kurve etwas flacher laufen lassen. Sah dann allerdings komisch aus, da sich die mittleren Vorderteile ja überkreuzen, deswegen habe ich das ganze kurzerhand mit einer Mittelnaht versehen.

Weitere Änderungen waren natürlich der verlängerte Rock und eine Mittelnaht bei der hinteren Rockbahn um Stoff zu sparen. Ist ja nur ein Unterkleid, da stört mich das nicht. Außerdem habe ich die Rockbahnen im Fadenlauf zugeschnitten und nicht schräg dazu. Bei so einem fließenden Stoff ist das meiner Meinung nach nicht nötig.

Zusammenfassung:
Schnitt: The Ruby Slip von Pattern Scissors Cloth in Gr. 10
Material: leichter, fließender Viskose-Webstoff in Taupe, Baumwollspitze, Ringe und Schieber
Änderungen: FBA, Mittelnaht vorne, Mittelnaht hinten, Rock Verlängert, Zuschnitt im Fadenlauf
Fazit: Schnittmuster und Anleitung sind tadellos, leider scheint der FBA nicht zu funktionieren. Grundsätzlich ist das Kleid einfach und schnell zu nähen.

Jetzt noch ein Bolero und ein Täschchen und das Hochzeits-Outfit steht :-)

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